WIKI – Drahtseile

Erfahren Sie, wie DrĂ€hte zu Litzen verdrillt und zu geschlagenen Seilen verwoben werden. Erfahren Sie mehr ĂŒber Herstellungstechniken, Drahtseilarten und ihre Verwendung in Industrie und Bauwesen.

Inhaltsverzeichnis / WIKI – Drahtseile

Drahtseil: Definition, Herstellung und Anwendungsbereiche von Stahlseilen

Ein Drahtseil, das auch als Stahlseil bezeichnet wird, unterscheidet sich von herkömmlichen Seilen, da es aus metallischen DrĂ€hten statt aus natĂŒrlichen oder synthetischen Fasern besteht. Typischerweise bestehen die DrĂ€hte aus Stahl. Bei einem Drahtseil handelt es sich in den meisten FĂ€llen um ein geschlagenes Seil, bei dem die DrĂ€hte zu Litzen verdrillt werden, und diese Litzen wiederum zu einem Seil.

Der Prozess des Verdrillens der DrĂ€hte erfolgt auf Verseilmaschinen. Eine rotierende Verseilkorb trĂ€gt eine bestimmte Anzahl von Drahtspulen. Die DrĂ€hte laufen durch den Verseilkopf, der mit einer entsprechenden Anzahl von Löchern ausgestattet ist, und werden dabei um einen zentralen Kerndraht in spiraliger Form gewunden. Die fertigen Drahtlitzen werden anschließend auf einer Haspel aufgewickelt. Die Verdrillung entsteht durch die Kombination aus Zug an den Litzen und der gleichzeitigen Drehung des Verseilkorbes. Das resultierende Produkt wird als Spiralseil bezeichnet, wenn es beispielsweise als Abspannseil verwendet wird. Die Litzen hingegen dienen als Ausgangsmaterial fĂŒr weitere Verdrillungen.

In einem weiteren Schritt werden mehrere Litzen mithilfe eines weiteren Verseilkopfes um eine Einlage herum verdrillt, um das endgĂŒltige Seil zu bilden. Die Einlage kann aus Naturfasern, Kunstfasern, einem Stahldraht mit oder ohne Kunststoffummantelung oder einem Kunststoffprofil bestehen. Die meisten verwendeten Litzen-Seile sind zweifach verdrillt, es gibt jedoch auch Seile mit mehreren Lagen.

Seileinteilung

Drahtseile werden nach ihrem Verwendungszweck und ihren Konstruktionsmerkmalen unterschieden.

Einteilung nach Verwendungszweck

  • Laufende Seile – Sie werden ĂŒber Seilrollen, Treibscheiben und Trommeln bewegt und nehmen dabei deren KrĂŒmmung an. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Hubseile und Verstellseile in Kranen und Bagger.
  • Stehende Seile – Sie laufen nicht ĂŒber Rollen, ihre Enden sind in Festpunkten verankert. Z.B. Abspannseile fĂŒr Masten und Ausleger.
  • Tragseile – Seile, auf denen Rollen von Fördermitteln laufen. Z.B. Tragseile von Seilbahnen.
  • Anschlagseile – Sie stellen die Verbindung zwischen einer Last und dem Hebezeug her. Sie dienen zum AnhĂ€ngen oder zum Umschlingen der zu hebenden Last.
haacon_laufendes Seil
Laufendes Seil
haacon_Abspannseil
Stehendes Seil (Abspannseil)
haacon_Tragseil
Tragseil
Anschlagsseil
Anschlagseil

Einteilung nach Konstruktionsmerkmalen

  • Rundseil: Das Spiralseil (Rundlitze) kann einfach verseilt sein und ein offenes Spiralseil darstellen. Es kann auch als verschlossenes, halbverschlossenes oder vollverschlossenes Spiralseil auftreten.
  • Litzenseil: Das Litzenseil ist zweifach verseilt und kann als Rundlitzenseil auftreten, entweder als einlagiges Rundlitzenseil oder mehrlagiges Rundlitzenseil. Es kann auch als Spiral-Rundlitzenseil, Parallel-Rundlitzenseil oder Formlitzenseil auftreten. Alternativ gibt es das Dreikantlitzenseil oder das Flachlitzenseil, entweder als einlagiges Flachlitzenseil oder mehrlagiges Flachlitzenseil.
  • Kabelschlagseil: Das Kabelschlagseil ist dreifach verseilt.
  • Flechtseil: Das Flechtseil ist geflochten.
  • Flachseil: Das Flachseil kann einfach genĂ€ht sein oder doppelt genĂ€ht werden.

Seilaufbau

Ein Rundlitzenseil besteht aus DrÀhten, die im ersten Arbeitsgang zu Litzen verseilt werden (Einfachverseilung) und im zweiten Arbeitsgang zum Seil geschlagen werden (Zweifachverseilung).

DrÀhte

DrĂ€hte haben ĂŒblicherweise einen kreisförmigen Querschnitt; man bezeichnet sie als RunddrĂ€hte. FĂŒr besondere Zwecke sind andere Querschnittsformen möglich.

SeildrÀhte werden im Allgemeinen aus unlegiertem Kohlenstoffstahl mit einem Kohlenstoffgehalt von etwa 0,4
0,9% durch Kaltverformung hergestellt. Mit steigendem Kohlenstoffgehalt und mit steigender Verformung nimmt die Festigkeit des Drahtes zu, wobei hingegen die Dehnung, die Biege- und die VerwindungsfÀhigkeit abnehmen.

Bei besonderen Forderungen hinsichtlich der Korrosions- oder der HitzebestÀndigkeit, einer hohen KaltzÀhigkeit oder einer geringen Magnetisierbarkeit, kommen legierte DrÀhte zum Einsatz. Die Zugfestigkeit dieser DrÀhte ist im Allgemeinen geringer als die der DrÀhte aus unlegierten StÀhlen gleichen Durchmessers. Ebenso sind die Biege- und Verwindezahlen niedriger als bei unlegierten KohlenstoffdrÀhten.

Die OberflĂ€che von DrĂ€hten ist im Allgemeinen blank, d.h. ohne Überzug. Zum Schutz gegen Korrosion kann die DrahtoberflĂ€che verzinkt werden. FĂŒr Spezialzwecke sind andere OberflĂ€chenbeschichtungen gelĂ€ufig.

Litzen

Litzen bestehen aus einer oder mehreren Lagen von DrÀhten, die schraubenlinienförmig um eine Einlage verseilt sind. Im Allgemeinen besteht die Einlage aus einem Runddraht. In AusnahmefÀllen kann die Einlage auch aus Faserstoff oder Kunststoff bestehen. In der Regel haben alle Drahtlagen bei einer mehrlagigen Litze die gleiche Verseilrichtung, die auch Schlagrichtung genannt wird.

Die Konstruktion einer Litze hat einen großen Einfluss auf die Eigenschaften der Seile, wie z.B. deren Biegewechseleigenschaften. Nach DIN EN 12385-2 werden folgende Verseilungsarten unterschieden. Litzen in

  • einlagiger Verseilung – Nur eine Drahtlage um die Einlage verseilt
  • Parallelverseilung – Mindestens zwei Drahtlagen um die Einlage. Die DrĂ€hte aufeinanderliegender Drahtlagen liegen zueinander parallel und berĂŒhren sich linienförmig.
  • Kreuzverseilung – Litzen dieser Art haben mindestens zwei Drahtlagen. Die DrĂ€hte aufeinanderliegender Drahtlagen ĂŒberkreuzen sich und berĂŒhren sich punktförmig.
  • Verbundverseilung – Mindestens drei Drahtlagen: Die DrĂ€hte von mindestens zwei aufeinanderliegenden Drahtlagen haben LinienberĂŒhrung bzw. sind parallel verseilt. Mindestens eine weitere Drahtlage ist in Kreuzverseilung verseilt.

Bei parallelverseilten Litzen berĂŒhren sich alle DrĂ€hte linienförmig untereinander. D.h. es sind gĂŒnstigere Gleiteigenschaften in LĂ€ngsrichtung der DrĂ€hte und geringere Pressungen als bei den kreuzverseilten Litzen vorhanden. Die meisten Seile werden heute aus parallelverseilten Litzen hergestellt.

Achtung die bei haacon am hĂ€ufigsten verwendete Seilmachart mit „6x19M“ ist kreuzverseilt, hat also die punktförmige Auflage.

Einlagen

Eine Einlage – im Sprachgebrauch auch Seele genannt – wird fĂŒr jedes Rundlitzenseil benötigt. Die Litzen werden darum schraubenlinienförmig verseilt. Seileinlagen können aus Faserstoffen, aus StahldrĂ€hten oder aus einer Kombination beider Werkstoffe bestehen.

Fasereinlagen mĂŒssen immer verseilt sein. Sie bestehen aus Naturfasern oder aus Chemiefasern. Stahleinlagen hingegen bestehen aus verseilten DrĂ€hten. Wenn sie zu einer Rundlitze verseilt sind, entsteht eine „Stahllitzeneinlage“. Wenn die Einlage aus einem Litzenseil besteht, nennt man sie „Stahlseileinlage“. Stahleinlagen können mit Faserstoffen umwickelt oder kunststoffummantelt werden.

Definitionen und Seilbegriffe

Schlagrichtung / Schlagart

Schlagrichtung – Die Schlagrichtung der Litze ist die Richtung der Schraubenlinie des Seildrahtes. Es gibt rechtsgĂ€ngige (Kurzzeichen z) und linksgĂ€ngige (Kurzzeichen s) Litzen. Die Schlagrichtung des Seiles ist die Richtung der Schraubenlinie der Außenlitzen. Auch hier unterscheidet man zwischen rechtsgĂ€ngigen Seilen (Kurzzeichen Z) und linksgĂ€ngigen Seilen (Kurzzeichen S).

Schlagart – Haben die DrĂ€hte in den Außenlitzen die gleiche Schlagrichtung wie die Außenlitzen im Seil (Kurzzeichen zZ und sS), so redet man von Gleichschlag. Haben die DrĂ€hte in den Außenlitzen entgegengesetzte Schlagrichtungen wie die Außenlitzen im Seil (Kurzzeichen sZ oder zS), so redet man von Kreuzschlag.

Standard – Am hĂ€ufigsten Verwendung finden Kreuzschlagseile mit Kurzzeichen sZ.

Verwendung – Kreuzschlagseile haben Vorteile beim Lauf ĂŒber Seilrollen, aufgrund der Drahtausrichtung in LĂ€ngsrichtung des Seils. Gleichschlagseile haben Vorteile beim Aufspulen in Mehrlagenwicklung aufgrund der Drahtausrichtung quer zur LĂ€ngsrichtung des Seils. 

Drehungsarm / Drehungsfrei

Nach DIN EN 12385-2 werden Litzenseile, die ein unter Belastung vermindertes Drehmoment und eine verminderte Drehung erzeugen, als drehungsarme Seile bezeichnet. Sie bestehen hÀufig aus einer Konstruktion mit zwei oder mehr Litzenlagen.

Der Begriff drehungsfrei ist dagegen in DIN EN 12385-2 nicht definiert. Nach Feyrer gilt jedoch ein Seil als drehungsfrei, wenn wÀhrend der Zugbelastung von

Die meisten dreilagigen Spiral-Rundlitzenseile erfĂŒllen diese Bedingung. Bei Spiralrundlitzenseilen werden die einzelnen Litzenlagen mit unterschiedlichen Schlagrichtungen verseilt. Dadurch entstehen entgegengesetzt gerichtete Drehmomente, die sich ĂŒberlagern und weitgehend aufheben.

Spannungsfreie Seile

Ein Seil ist spannungsarm, wenn die aus der Herstellung rĂŒhrenden inneren Spannungen der DrĂ€hte ganz oder nahezu beseitigt sind. Die DrĂ€hte und Litzen federn nach dem Entfernen der Abbindung am Seilende nicht oder nur wenig aus dem Seilverband.

WeiterfĂŒhrende Links

Facebook
LinkedIn